G1X: Was nutzt mir der Kameratest bei CHIP.de?

Bevor sich jemand eine neue Kamera kauft, sollte er sich schlau machen. Am besten geht dies über einschlägige Testseiten online oder er kauft sich auf Papier gedruckte Presseerzeugnisse. Inzwischen bin ich von der Seriosität einiger Tests nicht mehr überzeugt. In der ganzen Lobhudelei gehen wichtige Fakten verloren.

Der Testbericht von CHIP war für mich kaufentscheidend. Doch nun fühle ich mich veräppelt.

Im Sucher ist das Objektiv zu sehen

CHIP schreibt zum Sucher

Viele Bedienelemente, aber zu kleiner Sucher
Die Bildkontrolle nehmen Sie am schwenkbaren, hochauflösenden 3-Zoll-Display vor. Das gelingt gut, allemal besser als mit dem kleinen optischen Sucher, der direkt von der G12 übernommen scheint.

Ist es nicht erwähnenswert, dass im Sucher Teile des Objektivs zu sehen sind? Hier mein Artikel dazu.

Pseudo Makrofunktion

CHIP schreibt nichts darüber. Auch Canon erwähnt die Makrofunktion in der Produktevorstellung nicht. Mich stört, dass der Tester bei CHIP die Makrofunktion nicht getestet hat oder, wenn doch, nichts darüber schreibt. Hier mein Artikel. Dies ist der Punkt, weswegen ich die Kamera eher nicht gekauft hätte.

In AV Verschlusszeit max. 1 Sek. anstatt versprochener 60 Sek.

In der Canon-Anleitung steht, dass in allen Aufnahmemodi eine Belichtungszeit von 60 Sek. bis 1/4000 Sek. möglich ist. Das stimmt nicht. In der Blendenvorwahl AV beträgt die max. Belichtungszeit nur 1 Sek. Dies führt je nach Situation zu unterbelichteten Aufnahmen. AV als halbautomatische Funktion dem Bereich Auto zuzuordnen geht nicht, weil in der Einstellungen TV und M auch eine Belichtungszeit von 60 Sek. möglich ist, wobei TV ebenfalls eine halbautomatische Funktion ist. Weshalb sind bei AV also nicht auch 60 Sek. möglich? Ich bemühe mich um einen Dialog mit Canon, aber die wollen nicht wirklich reden. Hier blogge ich dazu.

Bei einem umfassenden Test hätte ein Tester auf jeden Fall auf dieses Problem stossen müssen. Und wenn er unabhängig ist, müsste er auch darüber schreiben.

Ungenaue Angaben

Die Technik steckt in einem Metallgehäuse. Das ist überall zu lesen, auch Canon macht keine detaillierteren Angaben. Von CHIP hätte ich erwartet, dass sie heraus finden, um was für ein Metall es sich handelt.

Zur Akuleistung macht CHIP folgende Angaben:

Keine Glanzleistung kommt vom Akku: Nur 120 bis 400 Fotos sind mit einem vollgeladenen Stromspeicher vom Typ NB-10L (920 mAh) möglich.

Was soll ich mit einer Spanne von 120 bis 400 Fotos anfangen. Das ist, als würde die Wettervorhersage für morgen Temperaturen zwischen 12° und 40° vorhersagen. Wenn ich diese Aussage runter dividiere, bleibt übrig, dass es ein Akku gibt und dass ich damit einige Fotos machen kann – oder viele.

Wozu ist ein Testbericht gut?

Sowohl als professioneller Fotograf als auch als Privatmann möchte ich mich auf Testberichte verlassen können. Sie sollten nicht wiederholen, was bei der Produktevorstellung gesagt wurde und was auf den technischen Datenblättern steht. Vielmehr sollten sie hinterfragen, was bei einer Produktepräsentation gesagt und auch nicht gesagt wurde. Sie sollten auch die vom Hersteller gelieferten technische Angaben bestätigen. Vor allem aber sollte ein Testbericht nicht nur die Extreme beleuchten, sondern die Funktionalität im Alltag. Wenn eine Kompaktkamera zu langsam ist für Schnappschüsse, gehört das erwähnt (Bravo CHIP). Wenn keine Makroaufnahmen möglich sind, gehört das auch erwähnt. Nicht nur Fotografen haben die Makrofotografie entdeckt.

Wer Testberichte publiziert, hat eine Verantwortung gegenüber den Lesern. Testberichte sind kaufentscheidend. Daraus ergibt sich eine mögliche Abhängigkeit gegenüber dem Hersteller und schon sind wir bei der Unabhängigkeit, die vorausgesetzt werden sollte.

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