Filmen mit der CANON EOS 7D

Das Resultat vorneweg: Filmen ist nur mit Einschränkungen möglich. Wenn man wirklich filmen will, sollte man sich keinen Fotoapparat dafür kaufen. Die von Canon gepriesene Aufzeichnung von 1080p Full-HD-Videos ist weit davon entfernt ruckelfreie Filmaufnahmen zu liefern.

Die Canon-Theorie

Gemäss Handbuch ist alles ganz einfach:

Beachten Sie, dass eine Bildrate von 24 (23,976) für Filme verwendet wird.

Diese Aussage ist eher dürftig, weshalb ich mir das Buch von Haarmeyer/Westphalen Das Kamerahandbuch Canon EOS 7D zugelegt habe. Dort erfährt man, dass eine Verschlusszeit von 1/25 Sekunde sinnvoll wäre, wolle man mit einer Bildrate von 25 Bildern pro Sekunde filmen. Leider gibt es bei der 7D diese Verschlusszeit gar nicht. Weder existiert die Einstellung von Canon „beachten Sie … 23,976“, also 1/23 Komma 976 (wie rechnet man das eigentlich in Verschlusszeiten um?), noch findet man die empfohlenen anderen Verschlusszeiten, die zu der entsprechenden Bildrate passen würden.

Sobald man einen Schwenk mit der Kamera macht ruckelt alles dermassen, dass man meinen könnte, der Stativkopf müsste mal geölt werden. Auch diverse Tests mit Verschlusszeiten von 1/30, 1/45 und 1/125 ruckeln in der Kombination mit 24 fps.

Was hat es mit den Bildraten auf sich?

Kurz eine Erklärung zu den von Canon empfohlenen Bildraten: Die Abkürzung „24p“ kennzeichnet die Fähigkeit eines Gerätes, HDTV-Signale in 1080/24p zu verarbeiten, d.h. Videos können mit der derzeit maximal möglichen Auflösung von 1080p und der kinoüblichen Bildfrequenz von 24 fps (Frames per Second) wiedergegeben werden.
Durch die Fokussierung der Technik auf diese Fähigkeit und die Sensibilisierung der Konsumenten hat sich das angehängte „24p“ allgemein als Bezeichnung für ein hochauflösendes Videobild in Kinoqualität eingebürgert.

Wichtig bei der Betrachtung dieser Funktion ist, dass es sich hierbei zwar um 24 unterschiedliche Vollbilder in einer Sekunde handelt, aber die eigentliche Bildwiederholrate ein Vielfaches von 24 Hz (beispielsweise 48 Hz oder 72 Hz) beträgt, damit das menschliche Auge keine Einzelbilder mehr wahrnehmen kann. Diese Vervielfachung der Bildeindrücke wird erreicht, indem ein und dasselbe Bild mehrfach hintereinander angezeigt wird (2:2- bzw. 3:3-Pulldown). Da sich jedoch das menschliche Auge allein durch die Wiederholung von Einzelbildern irritiert fühlen würde, helfen die Hersteller mit entsprechenden Interpolationen nach. Um zu erreichen, dass sich die Positionen einzelner Bildpunkte nicht verändern, werden mit einem De-Interlacer Zwischenbilder errechnet und in die Bildabfolge eingereiht. Die daraus folgende Bildsequenz bietet deutlich mehr Bewegungsschärfe und besitzt ein sehr viel klareres und deutlicheres Bild.

Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass sowohl Blu-ray Disc Player als auch das jeweilige TV-Gerät dieses Qualitätsmerkmal unterstützen. Ist dies nicht der Fall wird das als vorliegende ‚24p‘ Bildmaterial auf die jeweiligen 50 Hz (PAL) bzw. 60 Hz (NTSC) umgerechnet. Bei 60 Hz sorgt dies in den meisten Fällen für ein deutlich sichtbares Ruckeln. Diese Umrechnung kann beispielsweise durch PAL-Speedup erfolgen. Dabei wird die Bildwiederholrate von 24 auf 25 Bilder je Sekunde beschleunigt – eine anschließende Verdopplung der Bilder sorgt für die bekannten 50 Hz.

Meine Einstellung

Nach endlosen, sehr ausdauernden Versuchen (es muss doch irgendwie klappen), habe ich mit den folgenden Einstellungen ein akzeptables Resultat erzielt:

  • Auflösung 1280 x 720, 50 fps
  • Verschlusszeit 1/125 Sekunde

Jetzt habe ich zwar keinen HD Film mehr (zumindest nicht nach den Standards für Bildauflösung), dafür ruckelt es nicht mehr. Und ich kann ja im nachhinein noch immer ein paar Zwischenbilder einfügen damit es wieder stimmt. 😉

Kein Canon Kundendienst

Ich habe mich bereits zweimal bei Canon gemeldet, telefonisch und schriftlich, und habe auch jedes Mal ein „ticket“, also eine Bearbeitungsnummer erhalten. (5.1.12) Leider ist eine Antwort auch nach 2 Wochen noch ausstehend. Erstaunlich finde ich in diesem Zusammenhang, dass Canon auch Filmkameras herstellt und daher wissen sollte, wie man eine Filmkamera baut. Gut, vielleicht liegt die Cinema EOS C300 (Schätzungen gehen von einem Kaufpreis von ca. 20’000.- $ aus) preislich nicht ganz auf derselben Linie wie die EOS 7D.

Fazit

Ein guter Fotoapparat muss nicht auch als Filmkamera taugen.

Nachtrag: AW von CANON am 24. Januar 2012:

Hiermit möchten wir gerne auf Ihre Anfrage zur Canon EOS 7D antworten und bitten vielmals um Entschuldigung für die späte Rückmeldung.

Bei Videoaufnahmen mit Spiegelreflexkameras „ruckeln“ die Aufnahmen bei Schwenks und Zoomen, da die Spiegelreflexkamera das Video aus einzelnen Vollbildern erzeugt. Bei einem Schwenk ist die Zeitspanne zwischen zwei Einzelbildern so groß, dass beim Betrachten des Videos der Bildfluß mit Ruckeln wahrgenommen wird.
Bei Videokameras werden die Videos mit Halbbildern aufgenommen, so dass Bewegungen flüssiger erscheinen.

Die gewählte Verschlußgeschwindigkeit bestimmt im gewissen Rahmen die interne Verarbeitungsgewindigkeit der Kamera. Daher ist eine kürzere Belichtungszeit bei Videoaufnahmen günstiger.

Daher ist das wahrgenommene Ruckeln von Videos kein Fehler der Kamera sondern wird durch das Aufnahmeverfahren mit Vollbildern bestimmt.

Ein Gedanke zu “Filmen mit der CANON EOS 7D”

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