Ausgangssignale von CANON DSLRs – Videofunktion

Die Wahrheit über CANON DSLR Ausgangssignale

Falls Sie Ihre digitale CANON Spiegelreflexkamera noch nie an einen externen Bildschirm (Field-Monitor) angeschlossen haben, sollten Sie dies tun, bevor Sie weiter lesen. Am besten, Sie benützen mit angeschlossenem Monitor die Einstellungen „Live View“, „Record“ und „Playback“ um zu verstehen worüber wir hier sprechen.

Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Der HDMI Video-Ausgangssignal einer Canon DSLR ist nicht auf Videofilmer ausgerichtet. Wenn man auf die Entstehungsgeschichte dieser eindrucksvollen Kameras zurück blickt, muss man sich eingestehen, dass diese überhaupt nicht für Filmemacher konzipiert wurden.

Canon DSLRs wurden ursprünglich entwickelt für …

Anfangs 2009 brachte Canon die 5D MKII auf den Markt mit bis dato ungeahnten Möglichkeiten HD Videos aufzunehmen. Superlative, wie volle 1920×1080 Auflösung, 6MB/Sek. Datenübertragung, (im Vergleich zu 1440×1080, 3MB/Sek. bei HDV) die unglaubliche Fähigkeit auch bei schwachen Lichtverhältnissen filmen zu können und natürlich die den Spiegelreflexkameras eigene Möglichkeit mit geringer Schärfentiefe zu arbeiten, begeisterten die Kunden.

Ironischer Weise hatte Canon sich nicht einmal die Mühe gemacht seine Entwicklung aus der Sicht des Filmemachers zu betrachten – eher schon aus der des Fotografen.

Seit der Markteinführung hatte die Canon 5D MKII einige Schwachstellen, wenn es darum ging professionelle Videos zu drehen. (Man muss sich vorstellen, dass Canon eine ganze Division professioneller Video-Spezialisten beschäftigt, die mit der Entwicklung von Video-Kameras beschäftigt sind und daher sehr wohl die Anforderungen von Profi-Videofilmern verstehen können). Hauptsächlich fehlten bei der 5D die manuelle Verschlusszeit-Kontrolle sowie die ISO-Einstellung – jedoch nur im Video-Modus. Zusätzlich konnte sie nur 30 Bilder pro Sekunde (frames per second) aufnehmen (nicht den Industriestandard von 29,97 fps). Komplett vergessen wurde der von Filmemachern begehrte 24-er Standard (aka 23,98 fps). Diese Versäumnisse wurden später mit einer Serie von einfachen Firmware-Updates jedoch erst dann behoben, als ein Aufschrei der 5D Nutzer ans Ohr von Canon drang. Dies beweist einmal mehr, dass diese Kameras nicht für Filmemacher konzipiert wurden.

Für wen wurden also diese Kameras geschaffen? In erster Linie für Fotojournalisten (mit Potenzial für Hochzeitsfotografen), kurzum Leute, die im Zentrum des Geschehens stehen, ein großartiges Foto schießen wollen und vielleicht ab und zu einen schnellen Videoclip als Momentaufnahme (oder beides gleichzeitig) drehen möchten ohne dabei irgendwelchen manuellen Einstellungen vornehmen zu müssen. (Ironischer Weise mit Ausnahme des Fokus).

Dieser „Fotografie“ ausgerichtete Denkprozess hat die grundlegenden Elemente für die gesamte Canon Produktreihe bestimmt.

Wie ist externes Monitoring davon betroffen?

Eines der Versäumnisse, die weiter oben noch nicht genannt wurden, ist die externe Überwachung per Monitor über die HDMI Schnittstelle, welcher Canon offenbar einen Platz ganz weit unten in der Prioritätenliste eingeräumt hat.

Weil diese Kameras dafür ausgelegt sind Fotos im Seitenverhältnis von 3:2 und gleichzeitig Videoaufnahmen im Seitenverhältnis von 16:9 aufzunehmen, zeigt das Display immer das Signal des gesamten Bildsensors und nie nur das 16:9 formatige Videosignal. Das sieht zwar ganz gut auf dem für diesen Zweck gebauten Kamera Display aus, sobald wir aber einen externen Monitor verwenden, sieht die Sache anders aus.

Das 1080i Signal, welches normalerweise die Bilder von der Kamera zu einem Monitor oder Fernseher transportiert, ist normalerweise in einem 16:9 Seitenverhältnis. Der Kamerasensor selbst hat meistens ein 3:2 Seitenverhältnis – üblich für digitale Fotoapparate. Canon hat das gesamte 3:2 Sensorbild vollgestopft damit es Platz innerhalb des 16:9 Ausschnittes findet. Das Resultat sind vertikale schwarze Streifen beidseitig des 1080i Signals. 1080i bietet eine Auflösung von 1920×1080 Pixel, aber weil der Sensor im 3:2 Seitenverhältnis ist, werden nur 1020×1080 Pixel pro Bild verwendet. Die 300 überzähligen horizontalen Pixel werden in Form von schwarzen Streifen beidseitig des Fotos sichtbar. (150×1080 Pixel beidseitig).

Drückt man den „Info“-Button (oder „Display“-Button abhängig vom Modell) werden die Bildinformationen wie Belichtungszeit, ISO-Wert und dergleichen ausgeblendet und das Bild irgendwie ans Display angepasst. Eine maximale Bildauflösung von 1620×1080 wird jedoch niemals überschritten.

Trotz der Möglichkeit diese Bildgröße „einigermassen“ anpassen zu können, gibt es keinen auf Videoaufnahmen im Format 16:9 abgestimmten Vorschaumodus, der die Breite eines externen Video-Monitors oder Fernsehmonitors mit den Bildsignalen des Fotoapparates füllen würde. Einer Einstellung, die nur dann benützt würde, wenn der Bediener Videos anstatt Bilder mit seiner DSLR aufnehmen würde.

Das Resultat sind 15,6% der Breite eines externen 16:9 Monitors/TV, die bei der Videovorschau nicht genutzt werden. (Vgl. „Live-View“).

Verschwendete Pixel

Mit dem Verständnis, dass egal was passiert, 15,6% des 1080i Ausgangssignals einer Canon DSLR aufgrund der eingebetteten schwarzen Streifen verloren sind, ergibt sich die Frage: Welche Auflösung wird tatsächlich beim Einsatz eines externen Monitors verwendet?

Offensichtlich hängt dies vom gewählten Monitor ab. Die folgenden Vergleiche handelsüblicher Monitore sollen Aufschluss darüber geben.

Anmerkung: Im zweiten Beispiel verliert man mehr Pixel als im ersten, weil es aufgrund der schwarzen Streifen bei jedem 1080i / 16:9 Signal auf einem Monitor dazu führt. Dieser Verlust ist normal, da er an jedem Display, das ein „kleineres“ Seitenverhältnis als 16:9 aufweist, auftritt. Dies bedeutet, dass der Verlust täuscht, da es das natürliche Abschatten (horizontal, auch „letterboxing“ genannt) und die seitliche Streifenbildung (vertikal, auch „pillarboxing“) vom DSLR Signal her kombiniert. So fragt man sich automatisch: „Warum kann das Bild nicht den gesamten Bildschirm ausfüllen?“ Leider ist dies nicht so einfach. Ihr Monitor würde eine inkrementelle Zoom-Funktion benötigen um dies zu ermöglichen.

  1. 1920 x 1080 Display (16:9 / Full HD)
    Bild vom DSLR-Sensor: 1620 x 1080
    Verlorene Pixel aufgrund des „Letterbox“-Effekts: Keine (Display ist 16:9)
    Verlorene Pixel aufgrund des eingebetteten „Pillarbox“-Effekts: 300 x 1080
    Total der unbenutzten Pixel: 15,6%
  2. 1920 x 1200 Display (16:10 Verhältnis)
    Bild vom DSLR-Sensor: 1620 x 1080
    Verlorene Pixel aufgrund des 16:9 „Letterbox“-Effekts: 1920 x 120
    Verlorene Pixel aufgrund des eingebetteten „Pillarbox“-Effekts: 300 x 1080
    Total der unbenutzten Pixel: 24,1%
  3. 1280 x 800 Display (16:10 Verhältnis)
    Bild vom DSLR-Sensor: 1080 x 720
    Verlorene Pixel aufgrund des 16:9 „Letterbox“-Effekts: 1280 x 80
    Verlorene Pixel aufgrund des eingebetteten „Pillarbox“-Effekts: 200 x 720
    Total der unbenutzten Pixel: 24,1%
  4. 1024 x 768 Display (4:3 Verhältnis)
    Bild vom DSLR-Sensor 864 x 576
    Verlorene Pixel aufgrund des 16:9 „Letterbox“-Effekts: 1024 x 192
    Verlorene Pixel aufgrund des eingebetteten „Pillarbox“-Effekts: 160 x 576
    Total der unbenutzten Pixel: 36,7%
  5. 800 x 480 Display (15:9 Verhältnis)
    Bild vom DSLR-Sensor: 675 x 450
    Verlorene Pixel aufgrund des 16:9 „Letterbox“-Effekts: 800 x 30
    Verlorene Pixel aufgrund des eingebetteten „Pillarbox“-Effekts: 125 x 450
    Total der unbenutzten Pixel: 20,1%

Wie man sehen kann, reisst der natürliche Verlust aufgrund des 16:9 „Letterboxing“-Effekts zusätzlich zum DSLR „Pillarboxing“-Effekts eine große Lücke in die Auflösung eines externen Monitors.

Das überraschendste Beispiel ist das oben aufgeführte 800 x 480 Display. Viele Displays mit dieser Auflösung werden fälschlicherweise als „High Definition“ angepriesen, weil sie grösser als die „Standard-Definition“ von 640 x 480 ist. Wenn diese Auflösung jedoch mit dem DSLR „Pillarboxing“ verrechnet wird, beträgt die Auflösung nur 675 x 450 Pixel. Dies ist sogar eine tiefere Auflösung als die Standard-Auflösung von 640 x 480 Display (4:3). Merke: Der Ausdruck „High Definition“ bezeichnet eine Auflösung welche die minimale HD Auflösung von 1280 x 720 erreicht oder überschreitet. (Auch bekannt als 720p.).

In der Realität ist die Auflösung von 675 x 450, welches vom rückseitigen LCD Display der Canon 550D / T2i, an einen 800 x 480 Monitor übertragen wird sogar geringer als das Original-Display der Kamera welches 720 x 480 Pixel beträgt. Darum bietet wahrscheinlich ein Sucher oder eine Lupe, die an das rückseitige Display gepresst wird, eine bessere Möglichkeit zu fokussieren als ein typisches 800 x 480 externes Display.

(Die 7D, 5D MK II und 1D MK IV besitzen alle ein 640 x 480 Display an der Kamera Rückseite. Weil die Auflösung des Sensors 640 x 427 Pixel beträgt, resultiert bei der Verwendung eines 800 x 480 Monitors nur ein „Netto-Gewinn“ von 30 horizontalen und vertikalen Linien für Vorschau- und Fokussierbelange).

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